Sammeln auf australische Weise

Begeisterte Hobbyköche und Touristen, die auf eine kulinarische Entdeckungsreise aus sind, können sich jetzt für saisonabhängige Touren anmelden, von denen einige in der Stadt und andere in der Wildnis veranstaltet werden. Auf diesen Touren wird ihnen von erfahrenen Reiseleitern gezeigt, wo wild wachsende Lebensmittel zu finden sind, und woran sie Pflanzen erkennen können, die nicht nur genießbar, sondern auch überaus köstlich sind. Sammeln auf australische Weise
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Sammeln auf australische Weise

Das Sammeln von Lebensmitteln erfreut sich immer größerer Beliebtheit, da viele Menschen wissen wollen, wo ihr Essen eigentlich herkommt. Aber auch Küchenchefs setzen bei ihren Gerichten immer stärker auf wild wachsende Lebensmittel.


Begeisterte Hobbyköche und Touristen, die auf eine kulinarische Entdeckungsreise aus sind, können sich jetzt für saisonabhängige Touren anmelden, von denen einige in der Stadt und andere in der Wildnis veranstaltet werden. Auf diesen Touren wird ihnen von erfahrenen Reiseleitern gezeigt, wo wild wachsende Lebensmittel zu finden sind, und woran sie Pflanzen erkennen können, die nicht nur genießbar, sondern auch überaus köstlich sind.

Ein Festmahl aus gesammelten Pilzen

Die Suche nach Wildpilzen mach zwar Spaß, kann aber auch im unklaren Fall über ihre Essbarkeit gefährlich werden. Der Pilzexperte Cameron Russel veranstaltet im Herbst Pilztouren entlang der kurvenreichen Straßen auf der Mornington Peninsula in Victoria. Dabei bringt er den Pilzesammlern bei, wo sie über ein halbes Dutzend essbare Sorten, wie den Wald- oder Wiesenchampignon, finden und wie sie diese erkennen.

Der Gärtner, Autor und Koch Rohan Anderson bloggt auf der Webseite von Whole Larder Love und setzt sich dafür ein, sich von dem zu ernähren, was einem das Land bietet. Wenn Sie auf der Suche nach einem aufregenden und herausfordernden Abenteuer sind, sollten Sie sich bei einem der Wochend-Workshops anmelden, die Rohan in den Central Highlands von Victoria veranstaltetet. Dort können Sie sich von dem erfahrenen Jäger und Sammler zeigen lassen, wo und wie Sie Nahrung finden und diese so natürlich wie möglich zubereiten.

In der ungefähr 3,5 Stunden von Perth entfernten Stadt Manjimup ist der größte Trüffel auf der Südhalbkugel zuhause. Wenn südlich des Äquators der Winter angebrochen ist, finden dort an Wochenenden Pilzsuchen statt, die von The Truffle and Wine Co. veranstaltet werden. Aus den Périgord-Sporen entwickeln sich duftende Trüffel, die im Boden am Fuße der Eichen und Haselnussbäume wachsen. Der Geschäftsführer Gavin Booth beschreibt die Suche nach den Pilzen als eine wunderbar praktische Erfahrung: Die Besucher machen sich in Gruppen zusammen mit den Trüffelhundeführern auf die Suche. Dabei durchstreifen sie die Baumreihen und holen die Trüffel selbst aus der Erde. Anschließend kehren Sie zum Lager zurück und lassen sich die daraus zubereiteten Trüffelspezialitäten schmecken.

Städtische Erntetouren

Der in Sydney ansässige Diego Bonetto ist ein großer Befürworter von „Wildlebensmitteln“. Auf seiner Suche nach einheimischen und eingeführten essbaren Pflanzen, wie dem Neuseelandspinat und dem Wilden Fenchel, durchkämmt er Straßen, Parks und sogar das Gelände in der Nähe von Eisenbahnschienen. Bonetto hat eine Webseite und eine App ins Leben gerufen, mit deren Hilfe man eine Karte der Orte aufrufen kann, an denen diese wild wachsenden Lebensmittel vorkommen. Außerdem veranstaltet er individuelle Touren durch Sydney, einige davon auch im Rahmen von kulinarischen Festivals. Doris Pozzi veranstaltet im Yarra Valley sogenannte „Weed Walks“, Gesprächsrunden und Workshops. Das nur eine Stunde von Melbourne entfernte Yarra Valley ist ein angesagter Veranstaltungsort für kulinarische Events und Weinfeste.

Orana,
Adelaide, SA

Der Trend des Lebensmittel-Sammelns

Das Sammeln von Lebensmitteln gehört zu den derzeit angesagtesten kulinarischen Trends weltweit und erfreut sich immer größerer Beliebtheit, da viele Menschen wissen wollen, wo ihr Essen eigentlich herkommt. Auch die Küchenchefs schließen sich diesem Trend an, indem sie bei ihren Gerichten verstärkt auf wild wachsende Lebensmittel setzen.

Dank solcher berühmter Befürworter wie dem skandinavischen Superstar René Redzepi ist es mittlerweile in Mode gekommen, in der Wildnis auf die Suche nach essbaren und noch dazu leckeren Naturprodukten zu gehen. In Australien hat das Sammeln von Lebensmitteln jedoch schon seit jeher Tradition. Die Ureinwohner Australiens haben über 50.000 Jahre von dem gelebt, was Ihnen das Land bot.

Bei der Ankunft der europäischen Siedler brachten diese auch Nahrungspflanzen aus ihrer Heimat mit. Viele dieser Pflanzen, zum Beispiel die Brombeere und der Fenchel, breiteten sich schon bald darauf in der Landschaft aus und wachsen mittlerweile wild. Spätere Migranten aus Südeuropa sammelten Pflanzen als Nahrung, die von den Angelsachsen als Unkraut angesehen wurden. Zu diesen Pflanzen zählten der Löwenzahn, Nesseln und die Gewöhnliche Vogelmiere.

Vor Kurzem erlebte das typisch australische Lebensmittel-Sammeln schließlich eine von Küchenchefs angeführte Renaissance, die von der einheimischen Bevölkerung inspiriert wurde. Im Restaurant Attica in Melbourne, das von San Pellegrino zu einem der 50 besten Restaurants der Welt gekürt wurde, werden Gerichte mit Strandpflanzen zubereitet, die Küchenchef Ben Shewry in der Nähe seines am Meer gelegenen Hauses gepflückt hat. In Biota, das in den Southern Highlands von New South Wales liegt, begibt sich der Küchenchef James Viles in den nahegelegenen Wäldern auf die Suche nach frischen Naturprodukten. In Adelaide sammelt Jock Zonfrillo für das auf indigene Speisen spezialisierte Restaurant Orana einheimische Zutaten, die den Ureinwohnern dieser Region bereits seit hunderten von Generationen bekannt sind.

Kuku Yalanji Dreamtime Walks,
Mossman Gorge, QLD

Sammeln auf australische Weise

Die besten Sammelstellen sind häufig wohlgehütete Geheimnisse – sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Der Verzehr von sogenannten „Wildlebensmitteln“ kann aber auch riskant sein: Viele giftige Gewächse ähneln den essbaren Pflanzen und stellenweise kann der Boden durch industrielle oder landwirtschaftliche Chemikalien kontaminiert sein. Auf privaten Grundstücken muss außerdem die Genehmigung des Eigentümers eingeholt werden. Die Regelungen zum Sammeln auf Land, das sich in Regierungsbesitz befindet, unterscheiden sich von Staat zu Staat. Illegales Sammeln kann dabei Bußgelder in Höhe von mehreren tausend Dollar nach sich ziehen.

Begeisterte Hobbyköche und Touristen, die auf eine kulinarische Entdeckungsreise aus sind, können sich jetzt für saisonabhängige Touren anmelden, von denen einige in der Stadt und andere in der Wildnis veranstaltet werden. Auf diesen Touren wird ihnen von erfahrenen Reiseleitern gezeigt, wo wild wachsende Lebensmittel zu finden sind, und woran sie Pflanzen erkennen können, die nicht nur genießbar, sondern auch überaus köstlich sind.

Viele der in der Wildnis vorkommenden Lebensmittel findet man nur in bestimmten Jahreszeiten, weshalb der Zeitpunkt der Tour richtig gewählt sein sollte. Wenn Ihnen der Sinn zum Beispiel nach Pilzen steht, sind Vorabanfragen bei den Veranstaltern zu empfehlen.

Josh Whiteland organisiert die preisgekrönten „Koomal Dreaming“-Touren in der Nähe der am Margaret River gelegenen Weingüter und Restaurants im äußersten Südwesten Australiens. Bei seinen geführten Buschwanderungen erklärt Whiteland, der auch René Redzepi bereits zu seinen Gästen zählen durfte, die sechs Jahreszeiten der Noongar-Aborigines und geht auf die wild wachsenden Lebensmittel ein, die in jeder von ihnen sprießen. An einem Lagerfeuer werden anschließend saisonale Speisen verkostet, die unter anderem aus Quandongs (Wüstenpfirsiche), Emu-Pflaumen und Salzbusch zubereitet werden.

Im sehr weit nördlich gelegenen Queensland in der Nähe von Port Douglas führen die Gebrüder Linc und Brandon Walker die Besucher auf der Suche nach Küstenpflanzen, die für Speisen und medizinische Zwecke verwendet werden, durch Mangrovenhaine und Sumpfgebiete sowie einen Sandstrand entlang. Außerdem steht auch die Jagd auf Krabben, Muscheln und andere Meeresfrüchten auf dem Programm. Das ist das Reich der Kuku Yalanji Bama: Nachdem sie die Fähigkeiten ihrer Vorfahren vorgeführt haben, veranstalten die Brüder einen gemütlichen Meeresfrüchte-Lunch im Zuhause ihrer Familie.

Im Northern Territory bieten mehrere Veranstalter als Teil der kulturellen Aborigine-Entdeckungstouren die Verkostung von einheimischen Speisen an. SEIT Outback Australia gehört zu ihnen und bietet eine Reihe von Touren in der Nähe des Ulurus an. Dazu zählt auch eine besondere „Bush Tucker“-Wanderung, bei der die Besucher Buschgerichte kosten und einheimische Pflanzen zermahlen können.

In South Australia veranstaltet der Küchenchef Kirby Shearing von Soul Projects sogenannte „Foraged and Found“-Touren, die für vier bis zwölf Personen gebucht werden können. Die Touren starten am Mount Gambier und führen an der Limestone Coast entlang zu einem Strand, wo Seegras und Kräuter gesammelt werden. Den Abschluss bildet ein 3-Gänge-Menü, das unter anderem aus einheimischen Meeresfrüchten sowie rohen und gekochten einheimischen Kräutern zubereitet wird.

The Truffle and Wine Co,
Manjimup, WA